Wenn Ihr E-Mail-Konto gehackt wurde, zählt die Reihenfolge: Passwort sofort ändern → alle Sitzungen/Geräte abmelden → Weiterleitungsregeln, Filter und Wiederherstellungsdaten prüfen (der meistvergessene Schritt!) → Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren → eigenen PC auf Schadsoftware prüfen → Passwörter verknüpfter Konten ändern. So sperren Sie den Angreifer dauerhaft aus.
- Warnzeichen: seltsame Mails an Kontakte, fremde Logins, Passwort plötzlich falsch, ungewollte Passwort-Reset-Mails.
- Neues Passwort allein reicht nicht – aktive Sitzungen und heimliche Weiterleitungen bleiben sonst bestehen.
- Auch prüfen: hinterlegte Ersatz-Mail/Handynummer – dort tragen Angreifer gern eigene Daten ein.
- Wichtigster Dauerschutz: Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) – kostenlos bei allen großen Anbietern.
Das E-Mail-Konto ist die Schaltzentrale Ihres digitalen Lebens: Über „Passwort vergessen“ lässt sich damit fast jedes andere Konto übernehmen – Amazon, PayPal, Soziale Netzwerke, oft sogar das Online-Banking. Genau deshalb ist ein gehacktes Postfach kein Bagatellfall, sondern ein Notfall, bei dem es auf Geschwindigkeit und die richtige Reihenfolge ankommt.
Die gute Nachricht: In den meisten Fällen bekommen Sie Ihr Konto zurück und können den Schaden begrenzen. Gehen Sie die folgenden Schritte der Reihe nach durch.
Woran erkenne ich, dass mein E-Mail-Konto gehackt wurde?
- Bekannte melden seltsame Mails von Ihnen – oft mit Links oder Zahlungsaufforderungen.
- Ihr Passwort funktioniert plötzlich nicht mehr, obwohl Sie es korrekt eingeben.
- Unbekannte Geräte oder Standorte tauchen in der Anmeldehistorie auf.
- Mails verschwinden oder liegen ungelesen im Papierkorb bzw. in „Gesendet“.
- Sicherheitswarnungen des Anbieters („Neue Anmeldung aus …“), die nicht von Ihnen stammen.
- Passwort-Zurücksetzen-Mails anderer Dienste, die Sie nie angefordert haben – ein Alarmzeichen erster Güte.
Schritt 1: Passwort sofort ändern
Kommen Sie noch in Ihr Konto? Dann ändern Sie als Allererstes das Passwort – am besten von einem Gerät, von dem Sie sicher wissen, dass es sauber ist. Wählen Sie ein langes, einzigartiges Passwort (mindestens 12–16 Zeichen), das Sie nirgendwo sonst verwenden. Unser Passwort-Generator hilft dabei. Danach fragen Handy und PC nach dem neuen Passwort – wo Sie es in den IMAP-Kontoeinstellungen hinterlegen, steht in unserer Einrichtungs-Anleitung.
Kommen Sie nicht mehr hinein, nutzen Sie sofort die „Passwort vergessen“-Funktion Ihres Anbieters. Bei den großen Anbietern (Gmail, Outlook/Microsoft, GMX, A1, Drei …) gibt es dafür eigene Wiederherstellungs-Prozesse über Ersatz-Mail-Adresse oder Handynummer. Je schneller Sie das tun, desto besser stehen die Chancen, dem Angreifer zuvorzukommen.
Schritt 2: Alle aktiven Sitzungen abmelden
Ein neues Passwort allein wirft den Angreifer nicht automatisch hinaus – bestehende Sitzungen können weiterlaufen. Suchen Sie in den Sicherheitseinstellungen nach Punkten wie „Geräte verwalten“, „Alle Sitzungen beenden“ oder „Überall abmelden“ und melden Sie alle Geräte ab. Danach müssen Sie sich selbst neu anmelden – der Angreifer aber auch, und der hat Ihr neues Passwort nicht. Taucht in der Liste ein altes Handy oder Tablet auf, das Sie längst nicht mehr nutzen, entfernen Sie das Konto dort dauerhaft.
Schritt 3: Weiterleitungsregeln und Filter prüfen – der meistvergessene Schritt
Das ist der Punkt, den fast alle übersehen: Angreifer richten gern heimliche Weiterleitungen oder Filterregeln ein, die eingehende Mails an eine fremde Adresse kopieren oder bestimmte Mails (etwa Sicherheitswarnungen) automatisch löschen. So lesen sie auch nach der Passwortänderung weiter mit – und können später in aller Ruhe Konten bei anderen Diensten übernehmen.
- Prüfen Sie unter Einstellungen → Weiterleitung, ob eine fremde Adresse eingetragen ist – löschen Sie sie.
- Kontrollieren Sie alle Filter- und Aufräumregeln auf Einträge, die Sie nicht selbst angelegt haben.
- Sehen Sie auch bei verknüpften Konten / „Senden als“ nach, ob dort fremde Adressen stehen.
- Prüfen Sie die hinterlegten Wiederherstellungsdaten (Ersatz-Mail, Handynummer) – hat der Angreifer hier seine eigenen Daten eingetragen, kann er das Konto jederzeit zurückholen.
Schritt 4: Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren
Aktivieren Sie jetzt – nicht „irgendwann“ – die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA). Dabei braucht jede neue Anmeldung zusätzlich zum Passwort einen Bestätigungscode aus einer App auf Ihrem Handy (z. B. Google Authenticator, Microsoft Authenticator). Selbst wenn Ihr Passwort erneut gestohlen wird, kommt der Angreifer damit nicht mehr hinein. Alle großen Mail-Anbieter bieten 2FA kostenlos an – die Einrichtung dauert fünf Minuten und ist der wirksamste Schutz überhaupt.
Schritt 5: Den eigenen Computer prüfen
Fragen Sie sich: Wie kam der Angreifer an mein Passwort? Häufige Wege sind Phishing-Mails, Datenlecks bei Diensten – oder ein Schadprogramm auf Ihrem eigenen PC (ein sogenannter Info-Stealer), das Passwörter direkt aus dem Browser ausliest. In dem Fall nützt das beste neue Passwort nichts: Es wird gleich wieder gestohlen.
Typische Anzeichen und was dann zu tun ist, haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengefasst: Computer gehackt? Soforthilfe bei Verdacht. Im Zweifel gilt: Passwörter erst nach der Bereinigung des Rechners final ändern – oder von einem sauberen Zweitgerät aus.
Schritt 6: Andere Konten absichern
Denken Sie daran: Wer Ihr Postfach kontrolliert hat, konnte bei anderen Diensten „Passwort vergessen“ nutzen. Prüfen und ändern Sie die Passwörter der wichtigsten damit verknüpften Konten – in dieser Reihenfolge:
- Online-Banking & Zahlungsdienste (PayPal, Klarna …) – prüfen Sie auch gleich die letzten Umsätze.
- Shops mit hinterlegter Zahlung (Amazon & Co.).
- Soziale Netzwerke und Messenger – darüber werden gern weitere Opfer im Bekanntenkreis angeschrieben.
- Alle Konten, die dasselbe Passwort wie das gehackte Postfach verwendet haben – und zwar ausnahmslos.
Schritt 7: Kontakte warnen und Spuren sichern
Wurden in Ihrem Namen Mails verschickt, warnen Sie Ihre Kontakte kurz – damit niemand auf Links oder Zahlungsaufforderungen hereinfällt, die scheinbar von Ihnen stammen. Bei finanziellen Schäden (etwa abgebuchten Beträgen oder Bestellungen in Ihrem Namen) gilt: Screenshots und Belege sichern, Bank kontaktieren und Anzeige bei der Polizei erstatten – in Österreich geht das auch online über die Meldestellen des Bundeskriminalamts.
Wann Sie sich Hilfe holen sollten
Spätestens dann, wenn Sie nicht mehr ins Konto kommen und die Wiederherstellung scheitert, wenn der Verdacht auf ein Schadprogramm am PC besteht, oder wenn ein Firmen-Postfach betroffen ist – dort hängen meist Kundendaten, Rechnungen und weitere Zugänge dran. Wir prüfen Ihre Geräte, sichern die Konten in der richtigen Reihenfolge ab und richten 2FA und Passwort-Manager gleich mit ein – ruhig, gründlich und ohne Fachchinesisch.
Häufige Fragen
Was mache ich zuerst, wenn mein E-Mail-Konto gehackt wurde?
Ändern Sie sofort das Passwort (bzw. nutzen Sie „Passwort vergessen", wenn Sie ausgesperrt sind) und melden Sie danach in den Sicherheitseinstellungen alle aktiven Sitzungen und Geräte ab. Erst dann ist der Angreifer wirklich draußen – ein neues Passwort allein beendet bestehende Sitzungen nicht.
Warum muss ich die Weiterleitungsregeln prüfen?
Angreifer richten häufig heimliche Weiterleitungen oder Filterregeln ein, die Ihre Mails an eine fremde Adresse kopieren. Damit lesen sie auch nach der Passwortänderung weiter mit und können später Konten bei anderen Diensten übernehmen. Prüfen Sie deshalb Weiterleitung, Filter und die hinterlegten Wiederherstellungsdaten (Ersatz-Mail, Handynummer).
Muss ich auch andere Passwörter ändern?
Ja. Wer Ihr Postfach kontrolliert hat, konnte über „Passwort vergessen" andere Konten übernehmen. Ändern Sie zuerst die Passwörter von Bank/Zahlungsdiensten, Shops mit hinterlegter Zahlung und sozialen Netzwerken – sowie ausnahmslos überall dort, wo Sie dasselbe Passwort verwendet haben.
Wie kam der Angreifer überhaupt an mein Passwort?
Meist über Phishing-Mails, Datenlecks bei Online-Diensten (prüfbar mit einem Leak-Checker) oder Schadsoftware auf dem eigenen PC, die Passwörter aus dem Browser ausliest. Im letzten Fall muss zuerst der Rechner bereinigt werden – sonst wird auch das neue Passwort gleich wieder gestohlen.
Fazit
Ein gehacktes E-Mail-Konto ist ein Notfall – aber einer, den Sie im Griff haben, wenn Sie strukturiert vorgehen: Passwort ändern → Sitzungen beenden → Weiterleitungen & Wiederherstellungsdaten prüfen → 2FA aktivieren → PC prüfen → verknüpfte Konten absichern. Besonders die Weiterleitungsregeln werden fast immer übersehen.
Unsicher, ob wirklich alles dicht ist? Wir prüfen Ihr Konto und Ihre Geräte und sichern alles fachgerecht ab.

